[APAnet ------- ] [home] [help] [map] [special] [news] Medizin/Psychologie/Afrika/Großbritannien Lachen ist unergründbar, aber großartig ---------------------------------------------------------------------------- Als äußerst ansteckend und dazu nur schwer kurierbar beschreibt der Psychologe und "Lachspezialist" Robert Holden eine merkwürdige Epidemie, die nach zuverlässiger Überlieferung von einem Schulhaus im ostafrikanischen Tansania ihren Ausgang genommen hat. Ursache waren hier keine bösartigen Viren, sondern irgend eine banale Äußerung des Lehrers. Zuerst kicherten nur eine Handvoll der Kinder, doch schon nach kurzer Zeit gluckste der gesamte Klassenraum. Die benachbarten Klassen hörten das Gelächter durch die Wände und begannen selbst zu kichern. Am Ende mußte der Unterricht unterbrochen werden, weil sich Schüler und Lehrer lachend in den Armen lagen. "Keiner von ihnen hatte auch nur einen Schimmer, worüber sie überhaupt lachten", sagt Holden, der einen Bericht aus dem "Central African Journal of Medicine" vorzeigt. "Es war einfach ein wahnsinniges Gelächter, das ansteckend wirkte." So ansteckend, daß die Epidemie auch die Schulmauern mühelos übersprang. "Das ganze Dorf war infiziert. Am nächsten Tag konnte keiner in die Schule oder zur Arbeit gehen." Zwei Wochen kursierte die "Seuche" und breitete sich auch auf die Nachbardörfer aus. Am Ende mußte gar das Rote Kreuz einschreiten, weil einige Epidemie-Geschädigte vor Erschöpfung zusammenbrachen. "Es gab bereits ähnliche Fälle in Afrika. Aber das war mit Abstand die längste Lach-Epidemie", erzählt Holden und hat Mühe, dabei ganz ernst zu wirken. "Wäre es nicht großartig, wenn man sowas auch durch die Einnahme von Pillen bekommen könnte?", träumt der Psychologe, der die erste britische Lach-Klinik des staatlichen Gesundheitsamts aufgebaut hat. Doch unglücklicherweise ist "Die beste Medizin" - so der Titel eines Buchs von Holden - nicht in handelsüblichen Verpackungen erhältlich. Über die Schwere der "Erkrankung" scheint auch der Breitengrad mitzuentscheiden, denn in der Dritten Welt ist das Lachen laut Holden sehr viel spontaner und ansteckender als in den Industriestaaten. "Die haben noch nicht unsere Neurose, sich immer streng unter Kontrolle haben zu müssen", befindet der Lachspezialist. Untersuchungen zufolge lächeln Kinder im Durchschnitt 400mal am Tag, Erwachsene nur noch 15mal. Das Lachen - als Steigerungsform des Lächelns - ist bei Kindern noch 150mal täglich zu hören. Wenn sie den "Ernst des Lebens" kennenlernen, verringert sich die Durchschnittszahl in alarmierender Weise auf sechs. **** In seiner Lachklinik, bei Seminaren und als Streßberater von BBC, Citibank, Sony, British Telecom und The Body Shop bemüht sich Robert Holden, die aus der Übung gekommenen Lachmuskeln wieder fit zu machen. "Das ist gar nicht leicht", weiß der Psychologe, denn Lachen sei eines der verblüffendsten Phänomene. "Je härter man daran arbeitet, desto schwerer wird es." Das Lachen und die Liebe seien gleichermaßen unberechenbar, so Holden. Dabei ist es medizinisch erwiesen, daß Lachen Spannungen abbaut und Streß reduziert. Wir atmen beim Lachen tiefer, inhalieren mehr Sauerstoff und unser Körper schüttet Endorphin aus, das körpereigene Glücks-Hormon. "Natürlich kann Lachen nicht unsere Probleme lösen", gesteht Holden ein. "Aber zumindest kann es uns in eine Lage versetzen, in der wir mit unsern Problemen besser fertig werden." Deshalb sieht er es als "eine der traurigsten Sachen" des menschlichen Lebens an, daß Kindern im Schulalter das Lachen abgewöhnt wird. Als Hauptgrund dafür erscheint ihm, daß "Lachen etwas Anarchistisches hat". Denn wer lacht, ist nur schwer zu kontrollieren. 1995-11-08. Copyright © [APAnet] 1995 webmaster@apa.co.at